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Abel Doering, Berlin

Mein Weg zum Bücherliebhaber war, rückblickend, eigentlich konsequent, ja ich möchte sagen, eine aus meiner Umgebung heraus folgerichtige Entwicklung. Der Grundstein wurde schon frühzeitig gelegt – meine Eltern hatten eine große Bibliothek, so dass ich, in der DDR geboren, schon inmitten von Büchern aufwuchs. Das Interesse am Buch stellte sich aber erst während meines Studiums ein. Ich war es irgendwann Leid, ständig Überziehungsgebühren für entliehene Bücher zu zahlen und zog es früher oder später vor, die benötigten Bücher in meiner eigenen Bibliothek zu haben. Das bedeutete in der DDR, einen ständigen Jagdinstinkt aufrecht zu erhalten. Der Preis der Bücher war zu vernachlässigen, selbst für einen mittellosen Studenten, aber ein bestimmtes Buch zu bekommen, noch zumal, wenn es nicht unbedingt Schwerpunkt der Kulturpolitik der SED war bedeutete, täglich in mehrere Buchhandlungen und Antiquariaten auf der Pirsch zu sein, bedeutete, auf dem Laufenden zu sein über die Verlagsangebote und Erscheinungstermine und führte zwangsläufig zum Austausch mit anderen.

So gewann ich im Laufe der Zeit ein Interesse am Buch selbst und begann, mich für die Hintergründe und den Umfang meiner Sammelgebiete zu interessieren, fing an, gezielter zu sammeln und begeisterte mich für Varianten, seltene Ausgaben, die Editionsgeschichte und das Schicksal einzelner Titel. Aus dem Literaturbesessenen wurde der Bücherliebhaber und dann der Bibliophile. Obwohl ich auch heute noch stolz meine Erstausgaben von Kant, Hegel, Jaspers oder Lukács in die Hand nehme oder ab und zu eine Lücke in meiner Inselbuchsammlung auffülle, hat sich doch proportional zum Wachsen meiner Bibliothek mein Sammelgebiet reduziert. Ich musste einsehen, dass die Beschäftigung mit Bertolt Brecht eine wirklich erschöpfende Aufgabe für einen ernsthaften Sammler sein kann. Und, da ich nie das Leben des Jakob Mendel (Stefan Zweig: Vier Erzählungen, Insel-Verlag, Leipzig 1929, IB 408) führen wollte, suchte ich recht frühzeitig den Kontakt zu anderen bibliophil Interessierten, die ich seit 1978 in der Pirckheimer-Gesellschaft fand. Dieser Kontakt zu Gleichgesinnten ist mir immer wichtig geblieben, denn die Beschäftigung mit der eigenen Sammlung ist eine einsame Angelegenheit, wenn man nicht die Möglichkeit wahrnimmt, seine Interessen mit anderen zu teilen. Und wie sicher jedem, der ernsthaft ein Hobby ausübt, ja, dem dieses Hobby zum wesentlichen Lebensinhalt geworden ist, lag auch mir immer viel daran, diese Begeisterung für Bibliophilie und das Büchersammeln anderen nahe zu bringen, inzwischen seit fast einem viertel Jahrhundert als Antiquar und seit einigen Jahren durch die Betreuung eines Internetauftritts für die Pirckheimer-Gesellschaft. Machen Sie sich selbst ein Bild auf www.pirckheimer-gesellschaft.org und im Blog für Pirckheimer und andere Bücherfreunde http://pirckheimer.blogspot.com.




Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. Mit Zeichnungen von Bernhard Heisig. Gestaltung Albert Kapr.
Institut für Buchgestaltung Leipzig 1965



Georg Lukács: Geschichte und Klassenbewußtsein.Studien über marxistische Dialektik,Kleine Revolutionäre Bibliothek Bd. 9, Der Malik-Verlag, Berlin 1923

Abel Doering
geb. 01.03.1952 in Berlin,
Studium der Philosophie, sowie Staats- und Rechtswissenschaften,
Abschluss als Dipl. rer. pol.
E-Mail:
a.doering@pirckheimer.org

Programmierer, Lehrausbilder,
wiss. Mitarbeiter im Ministerium für Gesundheitswesen der DDR,
seit 1989 Antiquar
(Hinterhof-Antiquariat, Berlin),
Schatzmeister der Pirckheimer-Gesellschaft e.V.

10439 Berlin, Czarnikauer Str. 19

Veröffentlichungen u.a. in MARGINALIEN, Blogbetreiber
http://pirckheimer.blogspot.com