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Antiquariat Wolfgang Stöger, Köln


Was fasziniert Sie an historischen Dokumenten?

Mein Schlüsselerlebnis war die Beschäftigung mit historischen  Drucken aus der Mozart-Zeit, die ich im Rahmen meines Musikstudiums in Wiener Bibliotheken einsehen konnte. Die Vorstellung, ein Dokument oder Buch in der Hand zu halten, das auch Mozart oder einer seiner Freunde selbst verwendet hatten, legte in mir den Keim für die Faszination am historisch Originalen, Authentischen. Diese Begeisterung ist geblieben und hat sich vertieft - noch heute freue ich mich über jedes Buch, dessen Herkunft ich erforsche, jede Handschrift, die ich transkribiere, und die mich auf eine Zeitreise in seltsam aufregende, manchmal erschreckende, oft auch wundernswerte, vertraut-fremde Gebiete schicken.

Wie wurde daraus ein Beruf?

In der Mitte meines Lebens von Wien nach Köln verschlagen, habe ich die Gelegenheit genutzt und - nach jahrzehntelanger Unterrichtstätigkeit  - meine Liebe zum alten Buch und historischen Dokument zum neuen Beruf gemacht.

Aufgewachsen in den Mauern der alten Kaiserstadt und von Kindheit an geprägt von der Wiener Kultur und ihren historischen Glanzlichtern, war der Wechsel von der Donau an den Rhein auch mit überraschenden Einsichten verbunden: Neben nicht zu leugnenden Unterschieden –Wien lebt zB bis heute gut von seiner 500-jährigen Geschichte als kaiserliche Reichshaupt- und Residenzstadt, die Kölner sind dagegen stolz, ihren Fürsterzbischof bereits im Mittelalter aus der Stadt gejagt zu haben – gibt es für den „Immi“ auch erstaunliche Parallelitäten, die sich nicht nur in der Lage am Strom, dem Dom (der in Köln doch deutlich größer ist) und dem Eingebettetsein in ein landschaftlich bezauberndes Umland zeigen. Trotz Wiener „Grantscherm“ und Kölner „Jeck“ - beide Städte zelebrieren ein  Gefühl der barocken Lebensfreude, das Orts- und Berufswechsel ohne Fremdheitsstress ermöglichte.

Und so pflege ich mit meinem Angebot von historischen Drucken und Dokumenten, Handschriften und sozialgeschichtlichen Alltagszeugnissen in einer gewissen sentimentalen Neigung auch die Bezüge zur alten und neuen Heimat: Für einen Kölner finden sich erstaunlich viele Austriaca und Vindobonensia in meinem Angebot, und der zugereiste Wiener versucht, in Reverenz an seinen neuen Lebensmittelpunkt auch die Besonderheiten der Kölner (Buch-)kultur in repräsentativen Beispielen anzubieten.

Meine Liebe zur Musik kann ich ebenfalls nicht verleugnen. Ohne den Anspruch auf das Profil eines klassischen Musikantiquariats mit seinem umfassenden Angebot zu erheben - wenn ich bei meinen Einkäufen auf interessante Musikraritäten stoße, freue ich mich, wenn sich meine Kunden später auch dafür begeistern.

Welches ist Ihr – bisher – interessantester Titel?

Noch in meiner Vor-Antiquarszeit fiel mir in Wien ein Karton mit „Altpapier“ in die Hände („Sie interessieren sich doch für alte Handschriften?“ – so der Verkäufer). In dem offensichtlichen Restebestand verschiedener Wohnungsräumungen, die der Händler nicht mehr verwerten konnte, fanden sich auch zahlreiche Dokumente (Zeugnisse, Briefe, Notizzetteln, Zeitungsausschnitte…), die erst eine genaue Untersuchung als zu einer Familie zusammengehörig ergab. Bei der Familie handelte es sich um die des ersten Mozartbiographen Franz Xaver Niemetschek (1766-1849), der ua in jungen Jahren in Prag als Erzieher von Mozarts ältestem Sohn fungierte, und dessen Tochter und Enkelin später in Wien als Besitzerinnen des berühmten „Hirschenhauses“ Hausherrinnen der Walzerkönige  Johann Strauß (Vater) und Söhne waren. Die Aufarbeitung der Dokumente, die ein höchst interessantes Bild dieser Familie zwischen Bildungs- und Großbürgertum in Böhmen und Wien entstehen ließ, bereitete mir jahrelang Freude. Der vor kurzem erfolgte Verkauf ebenso. (Ausführliche Informationen zu den Dokumenten auf meiner Homepage www.antiquariat-stoeger.de.)


Antiquariat Wolfgang Stöger

Philippstraße 61a
50823 Köln
E-Mail: info@antiquariat-stoeger.de
www.antiquariat-stoeger.de

Alte Drucke - Historische Handschriften - Musik-Raritäten