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MykoLibri - Multitasking
Christian Volbracht:
Journalist, Pilzkundler, Sammler, Antiquar und Autor


Der Wechsel aus der Rolle des Sammlers zur Rolle des Antiquars wird von professionellen Buchhändlern nicht immer gern gesehen. Als „Fremd- und Störelement“ sah ich mich in einem Blog abgekanzelt, als ich 2007 im „Stern“ als „König der Fliegenpilze“ und dann im „Börsenblatt“ als Sammler und Antiquar vorgestellt wurde. Man dürfe nicht Antiquar sein, wenn man auch anderweitig Geld verdiene, das verzerre den Wettbewerb – damals war ich noch Redakteur bei der Nachrichtenagentur dpa.

Es fanden sich aber auch Verteidiger dieser die Branche doch befruchtenden Doppelrolle von Sammler und Händler. In Wahrheit war mein Weg sogar vielspurig – Multitasking als Journalist, Amateurmykologe, Sammler, Antiquar und Autor. Als junger Journalist und Pilz-Begeisterter hatte ich früh auch über Pilze geschrieben – über den plötzlich als giftig erkannten Kahlen Krempling oder die tödlichen Knollenblätterpilze.

Das Pilze- und gleich darauf das Büchersammeln begann ich Mitte der 1970er Jahre. Ich wollte mit Hilfe von Büchern Pilze bestimmen, lernte in Hamburg dann Joachim Schliemann kennen, der damals die bedeutendste mykologische Privatbibliothek der Welt besaß. Aus einer Ansammlung von nützlichen Gebrauchsbüchern wurde auch bei mir eine Sammlung. „Von der Ökonomie des Verschwindens zur Ästhetik des Bewahrens“ hat der Philosoph Michael Sommer diesen Prozess genannt.

Als ich ab 1978 zehn Jahre als dpa-Korrespondent in Paris arbeitete, begann auch das Tauschen und Handeln – ich fand in den Regalen und Kellern der Buchhändler, auf Flohmärkten, bei Auktionen im Hôtel Drouot oder in den Kisten der Bouquinisten an den Ufern der Seine spektakuläre Seltenheiten und preiswerte Duplikate. Kontakte zu anderen Sammlern führten zu spannenden Geschäften – ich tauschte seltene Käferbücher gegen noch seltenere Pilzbücher, war Mitglied der französischen mykologischen Gesellschaft.

Ich verschickte Listen und stellte – wieder in Deutschland – schon 1996 als einer der Ersten meine Bücherliste ins Internet. Es galt eine Nische zu besetzen, kein Antiquar der Welt befasste sich ausschließlich mit Pilzbüchern. Ich war in wechselnden Rollen unterwegs: Da ich als Journalist schon früh über die Antiquariatsmessen in Stuttgart und Ludwigsburg berichtete, nahm ich auch an den Presserundgängen vor Messeeröffnung teil – so mancher strafende Blick traf den vermeintlich illegal eingedrungenen Sammler, der hier doch Berichterstatter war.

Neben meiner Tätigkeit als Leitender Redakteur in der Zentrale der dpa schrieb ich die Bibliographie „MykoLibri. Die Bibliothek der Pilzbücher“. Der 2006 im Selbstverlag erschienene bibliograpische Katalog meiner eigenen Sammlung gilt inzwischen als Standard-Werk für die ältere Pilzliteratur.

Vom Bibliographen zum Autor wurde ich sechs Jahre später. Ich hatte schon in Frankreich immer wieder gern über Trüffeln geschrieben, die ebenso leckeren wie rätselhaften Diamanten der Küche. Jetzt habe ich ihnen ein ganzes Buch gewidmet: „Trüffeln – Mythos und Wirklichkeit“. Es behandelt die wissenschaftliche, kulturelle und gastronomische Geschichte der Trüffeln, ihre Mythen und Legenden und untersucht, warum sie trotz aller Forschung immer seltener werden und welche Aussichten die neuen Kulturversuche auch in Deutschland haben. Die wichtigsten Quellen fand ich auf Reportagereisen und in meiner eigenen Bibliothek. Das Buch ist vor Weihnachten im Tre Torri Verlag erschienen. Außerdem biete ich – natürlich - eine „getrüffelten“ Sonderausgabe für bibliophile Sammler an: Die limitierte, numerierte und mit Tintlingstinte signierte Vorzugausgabe hat einen Einband mit Trüffel-Intarsien aus Leder und einer Beilage von „getrüffeltem“ handgeschöpftem Pilz-Papier. Die Illustrationen stammen aus alten Trüffelbüchern in meiner Bibliothek.

Mit der Bibliographie hatte ich den „Jardin secret“ langsam verlassen – das Sammeln von Pilzbüchern bleibt dennoch eine kleine Nische, in der sich noch immer interessante und kompetente Bücherfreunde, Wissenschaftler und Pilzbegeisterte finden. Viele wichtige Spezialisten für botanische Literatur sind verschwunden – Wheldon & Wesley in England, Krypto in der Schweiz oder Rousseau-Girard in Frankreich, bedeutende Sammlungen sind aufgelöst. Das Internet hat auch hier seine Spuren hinterlassen – manche noch vor 20 Jahren als seltene gesuchte Bücher sind heute zu Dutzenden zu finden, ihre Preise fielen entsprechend. Manche Wissenschaftler, die früher den Kopierer benutzten, suchen sich die Zitate und Abbildungen aus Standardwerken heute online, Google machts möglich. Ich scheue mich nicht, in einem Katalog Bücher und Schriften im Wert von 3 Euro bis 20 000 Euro anzubieten. Denn viele wollen die für sie wichtigste Literatur weiterhin im Original besitzen, seien es kleine Sonderdrucke, populäre, hübsch illustrierte Pilzführer, wissenschaftliche Standardwerke oder große Ikonographien. Und es gibt auch immer noch genügend wirkliche Seltenheiten, die bleibenden und auch wachsenden Wert versprechen.

„Herbe Enttäuschung und unverhofftes Glück gehören zum Pilze- wie zum Büchersammeln“, schrieb ich 2006 in meiner Bibliographie. „Die Streifzüge durch Antiquariate und Wälder ähneln sich, die nie abnehmende Hoffung auf das Besondere und Seltene, die Rückkehr zu den besten Plätzen, der Lohn für Zielstrebigkeit, die unkalkulierbaren Zufälle. Das gilt auch noch heute ...“ – für Sammler und für Antiquare, auch für Journalisten und Autoren.


Christian Volbracht
Antiquariat Mykolibri
20149 Hamburg, Isestraße 79
Tel + 40 - 460 52 05
Email
mykolibri@aol.com
website
www.mykolibri.de

Besuche nach Vereinbarung

Volbracht, Christian
MykoLibri, Bibliothek der Pilzbücher
Hamburg 2006
528 Seiten, 450 meist farbige Abbildungen, Folio.

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Limitierte und signierte Auflage von 750 Exemplaren
Euro 140
Vorzugsausgabe: 50 Exemplare mit je einer farbigen Originaltafel von Schäffer oder Bulliard
Euro 220

Bezug über MykoLibri Christian Volbracht.

Volbracht, Christian
Trüffeln - Mythos und Wirklichkeit
Wiesbaden: Tre Torri-Verlag 2012

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Normalausgabe
Euro 24,90
Limitierte und signierte Vorzugsausgabe mit intarsiertem Einband und "getrüffeltem" handgeschöpftem Papier als Beilage
Euro 150

Normalausgabe zu beziehen bei MykoLibri oder im Buchhandel, Vorzugausgabe direkt bei MykoLibri